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Die ländliche Gesundheitsversorgung ist zunehmend schwierig. Demografischer Wandel und Ärztemangel bei gleichzeitig eingeschränktem Mobilitätsangebot auf dem Land tragen dazu bei, dass eine Sicherstellung der flächendeckenden medizinischen Versorgung zunehmend gefährdet sein könnte.

„MeDiLand – Medizin Digital zur Verbesserung der Versorgung auf dem Land“ ist ein vom Bayerischen Gesundheitsministerium gefördertes Projekt der Technischen Hochschule Deggendorf (Laufzeit: August 2018 – Oktober 2020). Es zielte darauf ab, neue, digitale Wege zur Verbesserung und nachhaltigen Sicherstellung der medizinischen Versorgung auf dem Land zu erproben. Zu den Projektinhalten gehörten unter anderem der Aufbau eines regionalen, intersektoralen Telemedizinnetzwerks und die Erforschung verschiedener Telemedizinanwendungen, wie die audiovisuelle Kommunikation und die Übertragung von Vitaldaten. Ziel war es, zu erforschen, inwieweit telemedizinische Verfahren die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum nachhaltig unterstützen können.

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In den Pilotgemeinden Spiegelau und Frauenau, in der Region Bayerischer Wald, wurde der Aufbau eines intersektoralen, patientenzentrierten Telemedizinnetzwerkes erprobt. Das Netzwerk wird anhand folgender Abbildung visualisiert:

Abbildung 1: Überblick über das intersektorale Telemedizinnetzwerk „MeDiLand“

Beteiligt waren eine Hausarztpraxis, zwei Pflegeheime, ein Intensivpflegedienst und zwei Kliniken der Grundversorgung im Bayerischen Wald (Niederbayern), sowie eine Fachklinik in der Oberpfalz.

Inhalte im Projekt waren vor allem die Verwendung einer audiovisuellen Kommunikationsanwendung samt Vitaldatenübertragung zwischen Ärzten und nicht-ärztlichen Fachkräften bzw. Patienten sowie der Einsatz einer kommerziellen elektronischen Gesundheitsakte als gemeinsame Informationsbasis. Die vielfältigen Anwendungsfälle, welche im Projekt MeDiLand erprobt wurden, sind in folgender Abbildung gelistet:

Abbildung 2: Anwendungsfälle/ Use Cases im Projekt „MeDiLand“

Aufgrund der Corona-Pandemie stieg die Bedeutung von Telemedizin, da durch audiovisuelle Kommunikation und räumliche Entkopplung der Infektionsschutz gestärkt und die unter Pandemiebedingungen erschwerte Versorgungssituation entlastet worden ist. Im Projekt ergaben sich neue Anwendungsfälle:

  • Einführung einer Videosprechstunde in der Hausarztpraxis, um ärztliche Versorgung ohne persönlichen Kontakt mit entsprechendem Infektionsrisiko aufrechterhalten zu können.
  • Intensivierung der Beatmungsvisite zwischen dem Intensivpflegedienst und der Fachklinik, um Klinikeinweisungen und ggf. unnötige Belegung wertvoller Beatmungsgeräte in den Kliniken vermeiden zu können. (Videokonsil)
  • Einführung einer wöchentlichen, digitalen Wundvisite zwischen Wundmanagerin der chirurgischen Ambulanz des Klinikums und dem Pflegeheim zur Minimierung des Risikos von Klinikeinweisungen aus dem Pflegeheim. (Videokonsil)

Vor allem die audiovisuelle Kommunikation inklusive Bild- und Textübermittlung konnten sich bei den Hausärzten und den VERAHs® (Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis) etablieren. Die audiovisuelle Kommunikation wurde bei den Hausbesuchen überwiegend für die Klärung der Wundversorgung (über 38 % aller Anwendungsfälle) und das Medikamentenmanagement (26% aller Anwendungsfälle) genutzt.

In einem weiteren Use Case ermöglichte die Hausarztpraxis während der Corona-Pandemie Videosprechstunden für ihre Patienten. Diese Videosprechstunden wurden nicht als eigenständige, praxiseigene Anwendung in die Evaluation aufgenommen. Die Videosprechstunden wurden in ca. 30 Fällen im Zeitraum zwischen Mai und Oktober 2020 durchgeführt. Die Telemedizintechnik wurde auch in der Intensivpflege zur Abstimmung von Beatmungsparametern mit einer Fachklinik und in einer Bergschutzhütte sowie in Pflegeheimen und Kliniken erfolgreich eingesetzt. Die Fallzahlen und Zeiträume für die Use Cases finden sich in der nachfolgenden Tabelle:

Tabelle 1: Fallzahlen je Use Case im Projekt „MeDiLand“

Zusammenfassend können die Erkenntnisse so interpretiert werden, dass insbesondere sichere audiovisuelle Kommunikationslösungen dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum auf vielen Ebenen nachhaltig zu verbessern. Der Outcome ist laut allen Projektteilnehmern positiv. Qualität, Sicherheit, Effizienz und auch die Effektivität der Gesamtversorgung, aber auch das Empowerment des nicht-ärztlichen Fachpersonals, können durch Telemedizinanwendungen gesteigert werden. Die Ergebnisse des Projekts zeigen, dass Potenzial für Telemedizin im ländlichen Raum vorhanden ist: Fahrten können reduziert werden und – gerade vor dem Hintergrund des Ärztemangels – kann die Vor-Ort-Versorgung der Zukunft sichergestellt werden. Telemedizinanwendungen stellen eine sinnvolle Ergänzung des bisherigen Versorgungsangebotes dar und tragen zu einer Verbesserung der Lebensverhältnisse im ländlichen Raum bei.

In folgender Tabelle werden wesentliche Faktoren, die in Telemedizinprojekten berücksichtigt werden müssen, verdeutlicht.

Tabelle 2: Lessons Learned: Voraussetzungen und Handlungsfelder für erfolgreiche Telemedizinprojekte

Aus dem Projekt ergaben sich spezifische Voraussetzungen und Empfehlungen für die Implementierung telemedizinischer Anwendungen im Regelbetrieb. So sind wesentliche Erfolgsfaktoren die Breitbandversorgung, die Regelfinanzierung aber auch ein intersektoraler Koordinator im Netzwerk. Auch die Sensibilisierung aller Beteiligten und die Schulung von Mitarbeitenden sind zentrale Faktoren. Ausblickend wäre es wünschenswert, wenn sich der Regelbetrieb unter Beachtung genannter Faktoren bald einstellt und weitere Forschungsprojekte speziell mit Fokus auf ländliche Regionen initiiert werden.

Dank gilt allen Partnern, Mitarbeitenden, Pflegern, Therapeuten, Ärzten, Patienten und dem Fördergeber, da ohne die Mitwirkung und das Engagement genannter Akteure eine erfolgreiche Durchführung des Projekts nicht möglich gewesen wäre.

Bei Fragen zum Projekt oder bei Bedarf an Expertise im Bereich anwenderorientierte Telemedizin, Projektmanagement und Erfahrung im Bereich wissenschaftlicher Analysen, wenden Sie sich gerne an uns:

Campusleitung:
Frau Prof. Dr. Diane Ahrens
diane.ahrens@th-deg.de

Projektteam:
Herr Rainer Bomeisl
rainer.bomeisl@th-deg.de

Herr Domenic Sommer
domenic.sommer@th-deg.de

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